Wirkung von Farben

Die Wirkung und Symbolkraft von Farben unterliegen neben biologischen und evolutions­bedingten Faktoren, sehr stark auch soziokulturellen Einflüssen. Im Folgenden werden (Mittel-)Europäische Interpretationsansätze präsentiert. Sie basieren unter anderem auf Befragungen.

Rot (Normwert: 700nm)

Der Farbe Rot wird vor allem Hitze und Feuer zugeschrieben. Auch die Assoziation mit Blut ist ein wichtiger Punkt. Dies sind auf Urinstinkten basierende Assoziationen. In der Folge wird auch Leidenschaft, Temperament und besonders Liebe mit Rot verbunden. Somit ist Rot auch eine Farbe der Nähe. Rot hat jedoch auch eine sehr starke Signalwirkung, es symbolisiert Gefahr und warnt uns. Daher fallen uns unwillkürlich rote Objekte sehr leicht auf. Dies wird unter anderem für Warnsymbole, aber auch für Werbezwecke eingesetzt.
In der Evolutionsgeschichte des Menschen und seiner Vorfahren, hat sich die Rotwahrnehmung erst später aus­geprägt. Interessanterweise liegen die Wellenlängen, auf die Rot- und Grünrezeptoren im menschlichen Auge reagieren, sehr nahe beieinander.
Grundsätzlich lässt sich eine kulturüberspannende ähnliche Bedeutung für Rot finden. Nahezu immer wird es als Symbol für Stärke und Temperament angesehen. Dies spiegelt sich unter anderem in der Werbung wieder (z.B.: Ferrari). Doch auch Parteien verwenden Rot als Symbolfarbe. Sie soll Entschlossenheit und Aufbruchswillen symbolisieren. Rot ist auch die Farbe der Revolution. Sie steht für Veränderung und ist die Grundfarbe der Fahnen der meisten sozialistischen und kommunistischer Staaten.

Grün (Normwert: 546,1nm)

Grün wird sofort mit Natur verbunden. Es symbolisiert Ruhe, Ausgeglichenheit und Entspannung. Nicht zuletzt deswegen war ein gedecktes Grün einige Zeit lang der Desktophintergrund bei Microsoft Windows. Grün hat jedoch auch eine negative Bedeutung: die Assoziation mit Gift. Dies spiegelt sich auch in der Farbbezeichnung Giftgrün wieder. Dies stammt aus früherer Zeit, in der die grüne Malerfarbe noch Arsen enthielt.
Aus der Sicht der Evolution betrachtet, war sie nach dem Blau des Ozeans die zweit wichtigste Farbe. Das Grün der Bäume und Gräser hatte für sehr lange Zeit einen überlebenswichtigen Stellenwert. Diese Bedeutung von Grün ist auch weit verbreitet. In einigen Naturvölkern gibt es für Grün mehr Differenzierungen als für alle anderen Farben.
Jedoch ist die Interpretation von Grün mit Natur, teilweise abhängig von der geografischen Lage. In Trockengebieten kann durchaus Gelb oder Rot einen ähnlichen Stellenwert wie Grün einnehmen und die Natur repräsentieren. Trotzdem wird Grün als Zeichen von Wachstum und Aufblühen gesehen, da es auch in den Trockengebieten „grüne Momente“ gibt. Grün ist auch die Farbe des Frischen, des Jungen.
Damit ist aber auch die Unreife verbunden: grüne Erdbeeren, oder das Sprichwort: „grün hinter den Ohren sein“.
Grün hat es auf die Fahne des Propheten Mohammeds geschafft und symbolisiert auch dort die Farbe des Lebens und des Heils. Sie ist eine heilige Farbe, weil Grün in den Wüstengegenden selten ist. Auf vielen Fahnen islamischer Staaten ist sie zu finden. Auch politische Gruppierungen greifen auf Grün zurück und symbolisieren damit ihre Naturverbundenheit, aber auch ihre Besonnenheit.

Blau (Normwert: 435,8nm)

Blau ist die Ur-Farbe, da die ersten Lebewesen im blauen Ozean entstanden. Somit ist die Verbindung von Blau mit Wasser und Kühle leicht nachvollziehbar. Die Assoziation mit dem Himmel führt, in der Kombination mit dem Meer, zu einem Symbol von Weite und Unendlichkeit. Dies ist auch in der Redewendung „ins Blaue fahren“ festgehalten.
Blau hat aber auch negative Bedeutungen. Im deutschen Sprachraum ist jemand blau, wenn er zuviel Alkohol getrunken hat. Blau machen bedeutet sich Freizeit zu gönnen, ein Begriff der aus dem Färberhandwerk kommt. In englischsprachigen Ländern ist der „Blues“ eine Musikform, die Melancholie symbolisiert.
Grundsätzlich ist Blau eine Farbe, die Glaubwürdigkeit und Sicherheit vermittelt. Sie wird daher auch oft von Firmen eingesetzt. Bei einer Befragung von annähernd 2000 Personen nach ihrer Lieblingsfarbe landete Blau auf dem ersten Platz mit 38%.

Gelb (Normwert: 580 nm)

Mit Gelb assoziiert man grundsätzlich die Sonne und damit
verbunden Wärme und Freude. Gelb ist eine optimistische Farbe, die sowohl Hoffnung als auch Glück widerspiegelt. Historisch gesehen hat Gelb einen schlechten Ruf. Es war die Farbe der Geächteten (z.B.: Judenstern während des NS-Regimes) und stand auch für Egoismus. Dies mag auch daran liegen, dass Gelb eine sehr intensive Farbe ist und daher als aufdringlich empfunden werden kann. Als Warnfarbe wurde Gelb bereits im Mittelalter genutzt. Die gehisste gelbe Fahne bedeutete, dass die Pest ausgebrochen war. Gelb hat sich auch heute als Signalfarbe durchgesetzt, da vor allem schwarze Schrift auf gelben Hintergrund besser zu lesen ist als auf weißem. Viele Warnschilder sind heute in Gelb-Schwarz ausgeführt. Die Post greift ebenfalls auf diese Farbe zurück.
In China, dem Land der Mitte ist Gelb eine angesehene Farbe. Sie
bildet den Gegenpol zu Schwarz. In Europa wird Gelb mit Gold assoziiert und erinnert somit an Geld und Reichtum.

Eigentlich sind Weiß und Schwarz keine Farben. Weiß ist die Summe aller Farben, Schwarz ist das Fehlen von Licht. Trotzdem beschreiben die meisten Menschen sie als Farben, da wir sie wahrnehmen und gleichgestellt zu allen anderen „echten“ Farben betrachten.

Weiß

Weiß ist die Farbe der Unschuld und der Reinheit. Das Gute kleidet sich in Weiß und stellt das Gegenstück zum bösen Schwarzen dar. Da das Weiß der Zusammenschluss aller Farben ist, steht Weiß für Vollkommenheit und Ordnung. Diese Tugenden, die Weiß vertritt, macht sie zur göttlichen Farbe. Sie ist eigentlich die ideale Farbe, abgesehen davon, dass sie keine Farbe ist.
Im asiatischen Raum ist Weiß jedoch die Trauerfarbe. Mit fahlweißen Gesichtern verbinden auch wir Europäer Tote und Geistererscheinungen.

Schwarz

Die „Farbe“ Schwarz symbolisiert den Tod und die damit verbundene Leere. Auch die Nacht ist schwarz und undurchsichtig. Obwohl grundsätzlich Negatives mit Schwarz verbunden wird, ist es auch das Geheimnisvolle, das uns anzieht. Schwarz hat eine gewisse Eleganz. Dies spiegelt sich unter anderem in Kleidung, Möbeln und Autos wider. Trotz allem ist Schwarz auch die Farbe des Verbrechens. Schwarzhandel und der Schwarzmarkt sind weitere negative Assoziation zu Schwarz.
Andererseits tragen auch Geistliche, im Speziellen viele Mönchsorden dunkle Kleidung und nicht weiße. Auch viele konservative Parteien haben Schwarz als Farbe gewählt. Sie symbolisiert auch Beständigkeit. Viele Firmen verwenden schwarz um Eleganz und Diskretion zu vermitteln.

Beliebte und unbeliebte Farben

Bei einer in Deutschland durchgeführten Befragung von rund 2000 Personen unterschiedlicher Alters- und Bildungsschichten ergaben sich hinsichtlich der (Un)Beliebtheit von Farben folgende Ergebnisse (zwischen Männern und Frauen gab es keine siginifkanten Unterschiede):


Beliebte Farben



Unbeliebte Farben

Blau

38 %


Braun

27 %

Rot

20 %


Orange

11 %

Grün

12 %


Violett

11 %

Schwarz

8 %


Rosa

9 %

Rosa

5 %


Grün

9 %

Gelb

5 %


Grau

9 %

Weiß

3 %


Schwarz

8 %

Violett

3 %


Gelb

6 %

Gold

2 %


Gold

4 %

Braun

2 %


Silber

2 %