Die Kreativkurse setzen einen besonderen methodischen Schwerpunkt, indem sie für das Beschreiten des „Königwegs“ ästhetische Zugangsweisen wählen. Dieses Lernprinzip ist grundsätzlich in allen Fächern anwendbar und besonders geeignet, ein „Begreifen“ von Sachzusammenhängen und ein sinnlich nachvollziehbares Gestalten von Ausdrucksqualitäten zu ermöglichen.
Charakteristische Merkmale des Lernverhaltens zeichnen ästhetisches Lernen als Erfahrungs‑ und Erkenntnisprozess aus. Gelingt es in Lernsituationen ästhetisches Lernen anzustoßen, lassen sich Kinder und Jugendliche lustvoll auf eine Sache ein, verweilen konzentriert und beobachten (mit allen Sinnen). Wahrnehmen und Empfinden sind hier aufs Engste miteinander verbunden, weil der äußere Anlass den Einzelnen innerlich anrührt und antreibt, etwas entdecken, erforschen, erfahren, erkennen zu wollen, um es für sich und andere (be‑)greifbar zu machen.
Ästhetische Erfahrung:
Charles Mauron kann als Vater eines modernen Verständnisses von ästhetischer Erfahrung angeführt werden, die er schon 1935 beschreibt als „a focus on what is being perceived at the moment, without a desire to change the perception; control is exercised only to maintain and encourage the pleasurable perception and to explore the associations or feelings it causes in us.” (Mauron 1935, S. 31). Andere benennen dieses Verhaltensmerkmal mit dem Begriff des „flow“, des selbstvergessenen Handelns als völliges Aufgehen im augenblicklichen interaktiven Prozess mit einem Objekt, einer Wahrnehmung, einer Aufgabe u. Ä. ‑ ein Verhaltensmerkmal also, das sich bei Kindern und Jugendlichen während ihrer Interaktion mit dem Gestaltungsprozess und seinen technischen Möglichkeiten immer wieder beobachten lässt.
Ästhetische Erziehung:
Durch Übung in der „aisthesis“, der sinnlichen Wahrnehmung und ihrer Verarbeitung, wollen wir die Fähigkeit ausbilden, das Wahrnehmen und Gestalten der eigenen Umwelt zu genießen, kritisch zu reflektieren und solchermaßen gewonnenes „Wissen“ verändernd einzusetzen (vgl. z. B. Otto 1994, S. 56; Oevermann 1996, S. 15; Dewey 1934). Dadurch soll das Verständnis für gesellschaftliche Bedingungen und Wirkungen ästhetischer Phänomene erweitert werden sowie die Stärkung der Ich-Identität durch Sensibilisierung der Wahrnehmung und Entwicklung praktisch‑ästhetischer Handlungskompetenz. Neusten Erkenntnissen der Hirnforschung zufolge werden neben kognitiven Zielen vor allem affektive Implikationen ästhetischer Zugangsweisen durch die Dichte und Nachhaltigkeit von Lernerfahrungen maßgeblich vom Grad der emotionalen Beteiligung unterstützt.
Lernsituationen für ästhetische Erfahrung und Erziehung:
Raum für ästhetische Erfahrungen, in dem die sinnliche Wahrnehmung als Grundfertigkeit geschult wird, schaffen die Strukturelemente:
„Ästhetische Erfahrungen macht man da, wo etwas Widerständiges und Unerwartetes eintritt, dessen man sich mit Hilfe der Sinne gewahr wird. Ästhetische Erfahrungen geben somit im ästhetischen Reiz in Verbindung mit der Aufnahme überraschender Eindrücke Anlass zu Korrekturen bisheriger Annahmen von Wirklichkeit.“ (Peez 2003)
Ästhetische Erfahrungen lassen sich vornehmlich durch ästhetische Ausdrucksformen vermitteln.